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Die Übriggebliebenen

Die Übriggebliebenen

Das letzte Jahr ist verflogen für mich. Verfliegt die Zeit bei euch auch so? Irre. Und manchmal hab ich das Gefühl, dass ich vor einem Jahr alles noch einen Tick bewusster wahrgenommen habe. Alles schneller und alles ein bisschen weniger und doch immer mehr. Wie hängen diese Dinge zusammen? Bedingen sie sich gegenseitig? Alles eins oder doch völlig unabhängig?

Das ist der Kern des neuen Albums. Die Zeit fliegt und wir bleiben zurück. Die Zeit frisst und frisst, jeder Tag wie der letzte, nur weniger. Was bleibt? Wer bleibt? Ausgangspunkt für diese Idee waren ein paar Schicksale, die sich mir im letzten Jahr immer wieder aufdrängten. Z.B. Ein Banker, der verdammt gut ist in dem, was er tut: Wasser zu Wein machen und uns Investitionstips geben möchte. Zeit ist Geld. Ein Jugendlicher und seine Träume, das Öl der Maschinerie. Midas und immer wieder der Coyote, der Roadrunner jagt, wie wir Momente, tausend Tode sterbend. Alles Übriggebliebene. Die sich fragen, was sie dagegen tun können, dass es ein Ende gibt. Dass am Ende so wenig übrig bleibt. Die es nicht einsehen wollen, dass sie mit der Zeit weniger werden sollen. Was bleibt übrig bei all der Völlerei? Wer bleibt? Was bleibt? Alles aber nicht aber trauernd, wehmütig gefragt, sondern neugierig, weil irgendwie gehts mir oft genauso. Euch?

Bevor es ins Studio geht, werden wir die Songs am 25.3. im Milla Live-Club in München vorstellen. Die Musik hab ich dieses Mal überwiegend mit den Jungs aus der Band (Chris, Wolfgang und Ben) geschrieben. Aber natürlich sind auch Songs mit Amadeus dabei. Außerdem wird es auch Songs geben, die aus einer wunderbaren EP stammen, die ich gerade zusammen mit Benedikt Maile schreibe. Ich freu mich.

Endlich Touren!!

Endlich Touren!!

Endlich ist es soweit. Es geht auf Tour. Dank dem Album (das im Mai erschienen ist) und der positiven Resonanz darauf können wir jetzt tatsächlich auf Tour gehen. Irre. Am 10.11. geht es offiziell in Würzburg im Wunschlos Glücklich los und dann sind wir die nächsten zehn Tage unterwegs. Das wird das erste Mal für mich seit ich mit meiner ersten Band Vorlaut kurz nach dem Abi eine Deutschland-Tour gemacht hab (zugegeben die Tour bestand nicht nuuuuur im Konzertegeben, sondern vor allem auch ner Menge ++++ und  ner Menge ++++, und nicht zu vergessen die Ravioli auf dem FKK-Campingplatz südlich von Hamburg, unvergesslich auf jeden Fall!). So eine Tour ist aber natürlich nicht nur eine geile Erfahrung für einen selber, es ist vor allem auch die Chance, sich neues Publikum zu erspielen, neue Menschen und neue Städte kennenzulernen. Ich freu mich auf jeden Fall riesig auf die Zeit mit der Band.

Leider nicht mit dabei sein, wird Nora. Aus gesundheitlichen Gründen muss sie jetzt erst einmal Abstand vom Live-Spielen nehmen. Sie wird uns aber natürlich weiterhin beim Songschreiben und Videodrehen unterstützen. Also keine Sorge, sie bleibt uns erhalten, nur leider nicht mehr als Keyboarderin und DJane.

Weil man aus einer Not am besten eine Tugend macht, haben Chris, Wolfi und ich Noras Ausscheiden zum Anlass genommen, noch einmal unser Live-Setup etwas aufzubohren. Und nach etwas Suchen und Proben hab ich hiermit die Ehre euch unser neuesten Live-Band-Mitglied vorzustellen (Trrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrommelwirbel- !): Ben Meyer. Ben ist seinerseits Sänger und Gitarrist der großartigen Band “Kandinsky” aus München und wird uns für die Tour als Drummer begleiten. Ein brutal präziser und aufmerksamer Musiker! Ich freu mich sehr auf die Konzerte mit ihm.

Hier noch einmal eine Zusammenfassung aller  Termine:

10.11.2016 Café Wunschlos-Glücklich, Würzburg

11.11.2016 Auster Club, Berlin

12.11.2016 BellyButtonFood, Braunschweig

15.11.2016 Freundlich und Kompetent, Hamburg

16.11.2016 Zollkantine, Bremen (OS)

17.11.2016 Peißnitzhaus, Halle

18.11.2016 Kulturcafé, Magdeburg

19.11.2016 Zollkantine, Bremen

Würde mich freuen, euch auf der Tour zu sehen! Habt eine gute Zeit und verbreitet die frohe Kunde! Jetzt muss ich aberauch schon wieder los. Die Dissertation will fertig geschrieben werden. Schönen Abend und bis zum Tour-Tagebuch!

ICH WEIß WAS ICH TU

ICH WEIß WAS ICH TU

Ich weiß, was ich tu

stöckelte es über

das Kopfsteinpflaster

meiner Zunge,

bevor die Taschenlampe mir

ein Loch in die Wange schoss.

Und plötzlich ist es raus.

Und plötzlich ist es raus.

Endlich: Das Album ist raus. Und darüber will ich heute schreiben. Irgendwie zumindest.

 

Klar für uns war das ein großer Moment. Ein Jahr Arbeit und jetzt kommt das Ding raus: was denken die Leute wohl drüber? Wird es überhaupt irgendjemanden gefallen? Was sagen die Musiker-Kollegen? Was sagt die Presse? Was sagt die Mama? Da ist Platz für ne Menge Unsicherheit. Erstaunlicherweise war ich jetzt aber gar nicht so aufgeregt, wie man meinen könnte. Gut denkt ihr, ist ja nicht Dein erster Release… aber das war es nicht. Ich bin, glaub ich, einfach nur so dermaßen stolz auf diese Songs, dass all diese Ängste um die erhoffte Bestätigung durch die Meinung anderer zu Flusen auf der Hose wurden. Das war die erste enorm coole Erfahrung. Eine schöne Erfahrung für so einen Hamsterrad-Hasen wie mich. Darüber hinaus war ich natürlich aber trotzdem aufgeregt wie Harry und hier kommt die zweite enorm coole Erfahrung ins Spiel: Das Feedback der Leute. Dazu aber gleich mehr!

Wenn man so ein Album raus bringt, dann gibt es ähnlich wie im Flugzeug vor dem Start so ein paar ToDos. Presswerk organisieren (das macht das Label: check), Artwork (in unserem Fall Michael Weißinger: check), Releaseparty (Bombenvoller Cord Club, München: check) und Presse-Arbeit. Die Presse-Arbeit, also die Promotion des Albums, natürlich irre wichtig, weil sonst kriegt ja keiner was mit davon! Jetzt bin ich ja nicht nur Musiker, sondern auch Forscher und als solcher hab ich wieder mal eine tolle Bestätigung dafür bekommen, dass eine der grundlegenden Annahmen der Ökonomen, und zwar dass viele Menschen sich in vielen Situationen rein egoistisch verhalten, gar nicht so weit entfernt von der Realität ist. Weil das wird schnell klar: Nur wenn Du was bringst, wirst Du auch gebracht. Bei vielen zumindest. Das ist aber natürlich auch der gesamten Situation geschuldet, denn: Was denkt ihr macht ein völliger überverfrachteter Journalist des Rolling Stones mit der Pressemitteilung, dass da so eine ganz neue, total fette Band aus München, die aber noch niemand kennt, ein Album raus bringt? Eben, nischte. Kann er ja gar nicht, selbst wenn er es wollen würde. Vor allem weil das eigene Magazin sich nicht nur mit Verkäufen, sondern auch mit Werbeanzeigen finanziert. Was dann? Nun es gibt ja Foren und Plattformen zuhauf, die sich mit Musik befassen. Also auch denen unser Promo-Zeug schicken. Ergebnis: Die kopieren Deinen Pressetext und geben dir mal 4 von 6, mal 8 von 10 Punkten, und leben davon, dass sie Werbung schalten. Auch ok, klingt aber alles etwas desillusionierend, oder? Ist es auch, aber jetzt kommts: Trotz all den Massen an Musik, die täglich erscheinen, und trotz dem Kostendruck allerorts, gibt es noch Leute, die sich Zeit nehmen, Musik (selbst nicht so bekannte) eingehend zu hören, zu analysieren und zu kritisieren. Mega.

Marinus vom Tonspion z.B., irre, was dem alles auf dem Album (http://www.tonspion.de/musik/das-ding-ausm-sumpf/alben/raumzeit) aufgefallen ist. Oder auch dem Schall-Magazin, dem Piranha Mag oder der Süddeutschen Zeitung in ihren gedruckten Ausgaben. Völlig irre. Ich weiß es wirklich zu schätzen, dass ihr unserem kleinen Projekt euren wertvollen Raum und Zeit geschenkt habt. Danke! Und dabei ist zwar schön, dass solche Institutionen über einen schreiben, für mich als Künstler ist es aber viel interessanter, was sie sagen, ob positiv oder negativ, solange es gut begründet ist. Endlich Feedback. Sitzt man doch dauernd nur in seinem Studio oder seinem Kopf und bastelt und schraubt.

Jetzt sind also all diese ToDos eines Album-Releases abgehakt und wie fällt mein Fazit aus? Klar, das Musikgeschäft ist eine witzige Sache. Da wird eine Menge Lärm um nicht allzuviel gemacht und natürlich geht es immer um Leben und Tod. Schade ist sicher, dass der Kostendruck auch hier die Qualität an allen Ecken und Ende in die Mangel nimmt. Wenn man sich keine Zeit für Bands oder deren Musik nehmen kann, dann kann man dazu auch nichts Interessantes machen. Pressetext kopieren und einsetzen ist zwar auch gefüllter Raum, aber irgendwie sinnfrei… Aber und das ist die ermutigende Nachricht, auch hier gibt es Leute, die den Unterschied machen! Die nicht nur reinhören, sondern durchhören! Die sich Gedanken machen, die kritisch sind und damit unsere Musik nicht zum reinen Konsumgut verkommen lassen… Leute wie Matthias Matuschke Matuschik oder Nina “Fiva” Sonnenberg, die uns Raum in ihren großartigen Radiosendungen geben. Das ist einfach mega. Danke.

Und dann, und das ist ein ganz großes dann, gibt es da noch die Leute, die den Sound einfach nur hören wollen. Und die hauen mich sowieso um. Was die uns schreiben, macht mir sogar jetzt bei 35 Grad in meiner Dachgeschosswohnung Gänsehaut. Diese Begeisterung, diese Ehrlichkeit, diese Aufmerksamkeit. Hammer. Live zu spielen und statt Handy leuchtende Augen sehen, weil sie die Geschichten berühren: Hammer. Und uns dann auch noch auf Bandcamp unterstützen! Wenn es nicht so großartig wäre, würde ich fragen, ob ihr einen Vogel habt?! 😀 Da zahlen Leute 20€ für die CD von “raumzeit”! Das ist sowas von irre und geil!! Danke für diesen Support! Und im Vergleich dazu wird das ganze Musikgeschäft sehr klein. Klar wird man damit nicht reich, aber dafür war es auch nie gedacht.

 

www.michael-weissinger.de

www.michael-weissinger.de

Heute darf ich euch jemanden vorstellen, der mir sehr am Herzen liegt. Kennengelernt hab ich ihn im Klosterinternat. Das Internat —die, die es erlebt haben, wissen, wovon ich spreche: Jeder Tag die gleiche Routine aus Aufstehen, Morgenstudium, Morgengebet, Frühstück, Unterricht… Nach den Sommerferien kommt man zurück: ein neues Zimmer, ein neues Bett, ein neuer Baderraumplatz und ein neuer Studiersaal. Und alles geht von vorne los.

Nach einer dieser Sommerferienpausen lernte ich ihn kennen: Michael Weißinger aus Landshut. War durchgefallen, wie viele von denen, die zu uns hinzustießen, und vom ersten Tag an war er was Besonderes für mich, weshalb ich ihn wahrscheinlich schnell Freitag nannte (Natürlich nicht ohne die mir übliche eigene Überhöhung als Robinson :D) Ganz anders war der. Wusste ziemlich genau, was er gut fand und was nicht, unabhängig davon, was das die anderen gut fanden, spazierte gern im Wald, schnitzte, hörte gute Musik, machte gute Musik, las interessante Sachen (damals glaub ich Hesse) und war immer irgendwie da, im Moment, im Jetzt. Eine tolle Zeit war das mit ihm. Wir streiften viel durch den Wald der Umgebung, machten Musik, hörten Musik, redeten viel… toll, aber kurz. Nach einem Schuljahr zog es ihn schon wieder zurück, und wir anderen blieben, wo wir auch schon vorher waren, nur neues Zimmer, neues Bett, neuer Studiersaal, neuer Baderaumplatz.

Wie das oft so ist, hielten wir noch einige Zeit den Kontakt, welcher dann aber doch irgendwann abbrach, bis vor zwei Jahren, als uns, Nora und mich, eine Einladung zu einem Hoffest in der Nähe von München erreichte. Much lud zum Fest und auch wenn es nicht gleich beim ersten Mal gelang, wir kamen wieder zusammen und der Vibe war wie am ersten Tag. Freitag, da war er wieder. Wir unterhielten uns über Gott und die Welt, über die letzten Jahre, die eigenen und die von anderen, über uns in der Welt, unsere Ziele, unsere Wünsche, unsere Träume. Ich erzählte ihm von meinem neuen Musikprojekt, dem Ding ausm Sumpf. Er hörte sich die Songs an, war begeistert und plötzlich stand da die Idee etwas gemeinsam zu machen. Er Künstler, ich Musiker. Nora hatte ohnehin schon die Idee gehabt, ein Buch statt einer CD zu machen, aber irgendwie fehlte mir immer der Inhalt, das Buch wirklich zu machen. Klar meine Texte sollten am besten sofort in ein Reclam-Heft, aber trotzdem deshalb ein Buch machen? Ne, irgendwie nicht… und da war er dann plötzlich, der Grund aus den Texten ein Buch zu machen, die Holzschnitte vom Much, Michael Weißinger. Wie und was genau erzähl ich euch das nächste Mal, jetzt genießt erst einmal das Cover des kommenden Albums “raumzeit”.

Holzschnitt: Michael Weißinger

Layout: Sebastian Vogel, von dem ich euch auch bald erzählen werde!

Im Titel findet ihr Muchs web-Adresse: www.michael-weissinger.de . Check it out! Ich bin so stolz, dass er hier mit macht!

Willkommen auf dem Meer

Willkommen auf dem Meer

Man nehme einen alten Freund von früher, der inzwischen Film studiert hat, füge einen Kameramann mit Nerven aus Drahtseilen hinzu und gibt, um den Geschmack abzurunden, noch einen jungen, hungrigen, talentierten Cutter dazu.

So haben wir es bei unserem neuen Video zum Song „Auf dem Meer“ gemacht. Mein Schulfreund, Konstantin Kiefer, mit dem ich mit vierzehn die ersten Songs aufgenommen hab, der mit siebzehn seinen ersten Film drehte, bei dem ich einen Gastauftritt in der Badewanne hatte, wollte, schon seit es das Ding gibt, einmal für Das Ding ausm Sumpf einen Videodreh begleiten.

‚Auf dem Meer‘ ist kein einfacher Song für ein Video: Eine klare Geschichte wird mit einer Meer-Allegorie gebrochen, die nicht jeder beim ersten Mal hören verstehen kann. Wie soll da das Video dazu aussehen, damit es die Geschichte nicht einfach doppelt, sondern unterstützt und trotzdem etwas Neues erzählt.

Wie immer kam Nora und mir während einer unserer Winterwanderungen im bayerischen Wald die Idee dazu: Wir brauchen eine Handpuppe, die Franz gibt und diese Puppe begleiten wir durch ihren Tag. Sobald wir wieder Netz auf dem Handy hatten, riefen wir Moritz Schwerin an, ein Puppenspieler wie aus einem Märchen, der zaubern kann, und jede Puppe, jeden Gegenstand lebendig werden lässt. Und tatsächlich: Er hatte Zeit und Lust auf das Projekt.

Und dann gingen die Vorbereitungen erst richtig los: Locations! Wetter! Kostüme! Team! Dank unserer Freunde in Augsburg und München, die sich nicht scheuen, ihre Wohnung, ihr Büro, ihre Dachterrasse oder ihren Garten für ein Filmteam herzugeben, das innerhalb weniger Minuten die Wohnung, das Büro, die Dachterrasse oder den Garten von gemütliches Zuhause oder ordentlichem Arbeitsplatz in ein chaotisches Filmset verwandeln konnte. Tausend Dank an dieser Stelle Christoph Schuhwerk, Maximilian Hartmann und Sebastian Seidel vom Sensemble Theater Augsburg! Und dann braucht man für so ein Projekt helfende Hände und Statisten: Ein besonderes Dankeschön an dich, Berna Celebi, dafür, dass du so spontan deine helfenden Hände angeboten und dich vierundzwanzig Stunden für uns eingesetzt hast!

Ja, es waren zwei Dreh-Tage mit einem durchgehenden Puls von hundertsechzig. Wir zogen von einer zur nächsten Location mit unserem kleinen, aber feinen Team, und die Hauptfigur, die Puppe Franz, blieb eisern konzentriert und immer auf Spielhöhe. Danke, Moritz, für diese großartige Leistung! Es waren zwei anstrengende, aber wunderbare Tage, in denen wir alle viel mitnehmen konnten, die Rädchen wunderbar ineinander griffen und jeder sein Bestes gab!

Danke. Lorenz und Konstantin, für euren Einsatz. Und danke an Jan König, unseren Cutter, der in der Postproduction noch einmal Zauberhaftes geleistet hat.

 Wir haben ein weiteres Mal den Sumpf durchforstet und Franz, unseren Puppenmann zum Leben erweckt. Hier ist das Video in voller Länge. Viel Spaß beim Anschauen.

 

Making of “Im Restaurant”

Making of “Im Restaurant”

Endlich komme ich dazu, kurz vor dem neuen Jahr. War das letzte doch schon so spannend, was kommt da wohl nächstes Jahr? Bevor es aber losgeht mit 2016, hier noch ein Rückblick zu einem Wochenende 2015, das ich nie vergessen werde. Dem Videodreh zu “Im Restaurant”.

Das Konzept zum Video ist von Nora (Schüssler) und ich war sofort davon begeistert: Eine alte Frau, einsam in ihrer Wohnung, von den Geistern ihrer Vergangenheit gejagt. Wie will man dem Song sonst gerecht werden? Klar, man hätte auch einfach den Song nacherzählen können, aber ernsthaft, ist das interessant? In meinen Augen nicht. Viel spannender ist doch die Frage, was passiert mit jemanden, der so lebt: sich gegenüber sitzt und nicht ehrlich zu sich und seinem Partner ist, zu feige ist, die Konsequenzen zu ziehen. Das Video gibt eine von vielen möglichen Antworten. Im Gegensatz zu vielen, die das Video gesehen haben, in meinen Augen sogar eine sehr positive. Indem die alte Frau am Ende zerstört, was ihr das alles eingebrockt hat, schließt sie ab. Zieht endlich einmal einen Strich.

Die Richtung war also schnell klar, aber wo die richtigen Schauspieler finden? Und überhaupt verstehen wir ja auch nichts vom Filmen und Cutten, also brauchen wir auch hierfür jemanden! Und wie hier alles ineinander gegriffen hat, ist schon faszinierend! Als Produktionsteam konnten wir Uli und Gerold gewinnen! Großartige Kerle, die nicht nur Ahnung von ihrem Fach hatten, sondern auch extrem angenehm in der Zusammenarbeit waren! Als das Wort Ruhe erfunden wurde, haben sie, glaub ich, den Uli als Vorbild genommen, irre! Immer ruhig und immer eine Lösung! Und Gerold! Hammer, mit 67 Jahren kriecht er über den Boden, um die Kamera bestmöglich zu positionieren, als würde man das mit 67 halt so machen! Die blanke Lebensfreude. Sehr inspirierend wirklich. Beide.

Produktionsteam war also gefunden, jetzt brauchten wir noch zwei Schauspielerinnen. Eine junges Mädchen und eine alte Frau. Und auch hier: irre, wie sowas laufen kann! Für die Rolle des Geists aus der Vergangenheit (das junge Mädchen) konnten wir Aurelia Bosch gewinnen. So aufgeweckt, aufmerksam und lernwillig! Toll!

Für die Rolle der alten Frau konnten wir Doris Buchrucker gewinnen. Doris Buchrucker? Was für eine Frau!!! Ohne zu übertreiben, kann ich euch sagen, dass das Kennenlernen von Doris mit das Beste war, was uns dieses Jahr passiert ist. So erfahren, so energiegeladen, so kritisch, so scharf in ihrer Analyse, so herzlich, so unerbittlich zu sich und allen anderen. Wahnsinn. Und als Schauspielerin eine Legende, die auf allen wichtigen Bühnen unseres Landes gespielt hat und regelmäßig im TV zu sehen ist. Wie kamen wir zu ihr? Ein Tip von einem befreundeten Regisseur und eine Nummer. Ok, eine Nummer, aber dann muss so jemand ja auch erst einmal ja sagen. Also ich angerufen und schon beim ersten Gespräch hin und weg gewesen. Diese Stimme! Sie hört sich den Song an und – tatata findet den Song super. Was für eine Ehre.

Brauchten wir nur noch einen Ort. Und die einzige Wohnung einer alten Frau, die ich kannte, war die Wohnung meiner Oma. Hm… aber ob wir ihr das zumuten können? Sie ist immerhin weit in ihren 80ern. Fragen kostet ja nichts, also ich ruf an und nach langen Wortspiralen, komm ich endlich auf den Punkt: “Oma, können wir unser neues Video bei Dir drehen?”. Stille. Dann sie: “Ja, klar.” Wahnsinn!! Einfach so. Sie wollte nur wissen, wann, und alles weitere werde sie dann schon sehen. Boah, ist meine Oma cool.

Die Tatsache, dass wir bei meiner Oma gedreht haben, war dann auch alles in allem das schönste für mich persönlich. Die Zusammenarbeit mit allen war der Wahnsinn, magisch, weil wir alle immer auf einander aufgepasst haben, uns geholfen und ergänzt haben, und das auf eine Weise, die ich so selten erlebe. Immer strahlende Augen, immer mit 100% bei dem, was wir machen. Dass wir aber bei meiner Oma gedreht haben, irre. Dort bin ich quasi aufgewachsen. Bevor ich ins Internat kam, war ich die meiste Zeit bei diesen Großeltern. Meine Hausaufgaben hab ich in dem Esszimmer gemacht, in dem Doris im Video alleine isst. Abends durfte ich noch mit meinen Großeltern fernsehen. Genau in dem Wohnzimmer, in dem Doris die Puppen am Ende zerschneidet und Amadeus und ich am Ende im Hintergrund auftauchen. Den Gang bin ich als Kind hunderte Mal rauf und runter gelaufen. Sei es als Indianer oder Dinosaurier, als Fußballspieler oder nächster Stefan Edberg (mit einem Softball konnte man in diesem Ganghervorragend Tennis spielen). Und jetzt haben wir da ein Video gedreht. Für einen Song, der mir so viel bedeutet. Und immer waren meine Ma und Oma da und haben geholfen. Sei es, weil es etwas zu nähen gab oder die Puppen mit Sand gefüllt werden mussten. Auf einmal schließt sich der Kreis. Schon ziemlich cool.

So war das also. Magisch. Danke, dass ich da dabei sein durfte.

Im Restaurant

Im Restaurant

Endlich ist es soweit. Endlich kann ich euch das Paar zeigen, das “im Restaurant” in mir sitzt und sich nichts mehr zu sagen hat. Wahrscheinlich sogar schon begonnen hat sich zu hassen, aber trotzdem eben noch da sitzt. Wie lange diese beiden mittlerweile in meinem Kopf gesessen sind, kann ich euch gar nicht sagen. Aber je länger desto vertrauter wurden sie mir mit ihren süßen, hohen Stimmen, die durch die Stille stöckeln.

Endlich kann ich sie euch zeigen. Dank diesem unfassbaren Video, das trotz mangelndem Budget den Song auf so tolle Art weiter wachsen lässt. Keine Aneinanderreihung von Bildern, die den Song nacherzählen. Eine eigene Geschichte, zeitlich weit nach den Ereignissen “im Restaurant”.  Regie und Konzeption sind von Nora (Schüssler). Produktion von Uli Stöckle und die beiden großartigen Schauspielerinnen sind Doris Buchrucker und Aurelia Bosch. Gedreht haben wir das Video bei meiner Oma. Ein Erlebnis für das ich immer dankbar sein werde, aber davon erzähl ich euch bald. Dann gibt es auch ein paar Bilder hier. Aber alles zu seiner Zeit. Ich danke euch für dieses wundervolle Video. Jetzt gehts erst einmal ab nach Brügge.

winter is coming

winter is coming

Ja, ja, ich weiß: geklaut und so gut ist Game of Thrones auch nicht, aber nichtsdestotrotz: vieles passiert gerade!. Wir haben einen Antrag bei der großartigen Initiative für Musik auf Förderung eingereicht und hoffen jetzt natürlich, was das Zeug hält, das Video zur nächsten Single “Restaurant” wird gerade gemacht (Release: 1.11.2015) und es wird gebookt, was das Zeug hält. Ich halt euch auf dem Laufenden! Stay tuned!

Was war sonst so die letzte Woche? Am Samstag haben wir im BieBie in Freimann (München) gespielt. Irre cool, so etwas in München zu finden. Ein altes Medienhaus (Druckerei Bieringer) wurde von der Stadt für Künstler geöffnet. Mittlerweile haben sich dort schon 40 Kunstschaffende zusammengefunden, die die alten Büroräume von Bieringer zu neuen Dimensionen machen. Richtig gut. Unser Konzert war dementsprechend natürlich auch sehr schön: offenes Publikum, das zuhört und tanzt. Was will man mehr? Ich freu mich immens auf den Winter, wenn wir ausführlich touren. Endlich wieder Bühne.

Gestern war noch ein Abend, der geradezu nach EINMALIG schreit. Die Augsburg Allgemeine hat zum Abschlussfest seiner Kulturstraßen-Reihe geladen, Ort: Kulturstraße 27, Partykeller. Ich komm an und bin erst einmal begeistert: das Publikum im Schnitt 70. Jetzt mit Chris und mir (wir waren nur zu zweit, Gitarre und Stimme) sank der Schnitt auf 68. Warum wir da überhaupt hin sind? Wir haben den Soundtrack zum Video-Blog der Augsburger Allgemeinen geliefert. Was haben die da überhaupt gemacht? Zwei Redakteure aus der Kulturredaktion haben sich für sechs Wochen jeweils dienstags mit ihrem mobilen Büro in der Kulturstraße aufgebaut. Und hier der Clou: die Kulturstraße hat rein gar nichts mit Kunst o.ä. zu tun, sondern hat ihren Namen von der Agrarkultur (früher wurden dort Maulbeerbäume im großen Stil angebaut) und liegt in DEM Arbeiterviertel von Augsburg, Lechhausen. Über 6 Wochen hinweg wurde hier die Zeitung zum Teil der Gemeinde und die Gemeinde Teil der Zeitung. Medien mal mehr als nur Schlagzeilen-Macher. Medien als Medium. Hm… auf jeden Fall war deshalb natürlich auch das Publikum im Schnitt relativ alt, aber deshalb nicht weniger scharf auf “Das Ding ausm Sumpf” und als die 70 jährigen Damen mit uns den Refrain von Higgs Boson gesungen haben, wusste ich: einzigartig. Hoffe, dass es bald ein Video gibt! Auch hier: ich halte euch auf dem Laufenden!

Endlich Herbst

Endlich Herbst

Hier nur ein kurze Schweigeunterbrechung: Das wird ein schöner Herbst. Vieles, was da kommt: Single? Dissertation? Umzug? Auto? Kind? Album? Mehr Katzenfotos? Konzerte? Mal sehen. Ich freu mich auf jeden Fall darauf.