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ICH WEIß WAS ICH TU

ICH WEIß WAS ICH TU

Ich weiß, was ich tu

stöckelte es über

das Kopfsteinpflaster

meiner Zunge,

bevor die Taschenlampe mir

ein Loch in die Wange schoss.

Und plötzlich ist es raus.

Und plötzlich ist es raus.

Endlich: Das Album ist raus. Und darüber will ich heute schreiben. Irgendwie zumindest.

 

Klar für uns war das ein großer Moment. Ein Jahr Arbeit und jetzt kommt das Ding raus: was denken die Leute wohl drüber? Wird es überhaupt irgendjemanden gefallen? Was sagen die Musiker-Kollegen? Was sagt die Presse? Was sagt die Mama? Da ist Platz für ne Menge Unsicherheit. Erstaunlicherweise war ich jetzt aber gar nicht so aufgeregt, wie man meinen könnte. Gut denkt ihr, ist ja nicht Dein erster Release… aber das war es nicht. Ich bin, glaub ich, einfach nur so dermaßen stolz auf diese Songs, dass all diese Ängste um die erhoffte Bestätigung durch die Meinung anderer zu Flusen auf der Hose wurden. Das war die erste enorm coole Erfahrung. Eine schöne Erfahrung für so einen Hamsterrad-Hasen wie mich. Darüber hinaus war ich natürlich aber trotzdem aufgeregt wie Harry und hier kommt die zweite enorm coole Erfahrung ins Spiel: Das Feedback der Leute. Dazu aber gleich mehr!

Wenn man so ein Album raus bringt, dann gibt es ähnlich wie im Flugzeug vor dem Start so ein paar ToDos. Presswerk organisieren (das macht das Label: check), Artwork (in unserem Fall Michael Weißinger: check), Releaseparty (Bombenvoller Cord Club, München: check) und Presse-Arbeit. Die Presse-Arbeit, also die Promotion des Albums, natürlich irre wichtig, weil sonst kriegt ja keiner was mit davon! Jetzt bin ich ja nicht nur Musiker, sondern auch Forscher und als solcher hab ich wieder mal eine tolle Bestätigung dafür bekommen, dass eine der grundlegenden Annahmen der Ökonomen, und zwar dass viele Menschen sich in vielen Situationen rein egoistisch verhalten, gar nicht so weit entfernt von der Realität ist. Weil das wird schnell klar: Nur wenn Du was bringst, wirst Du auch gebracht. Bei vielen zumindest. Das ist aber natürlich auch der gesamten Situation geschuldet, denn: Was denkt ihr macht ein völliger überverfrachteter Journalist des Rolling Stones mit der Pressemitteilung, dass da so eine ganz neue, total fette Band aus München, die aber noch niemand kennt, ein Album raus bringt? Eben, nischte. Kann er ja gar nicht, selbst wenn er es wollen würde. Vor allem weil das eigene Magazin sich nicht nur mit Verkäufen, sondern auch mit Werbeanzeigen finanziert. Was dann? Nun es gibt ja Foren und Plattformen zuhauf, die sich mit Musik befassen. Also auch denen unser Promo-Zeug schicken. Ergebnis: Die kopieren Deinen Pressetext und geben dir mal 4 von 6, mal 8 von 10 Punkten, und leben davon, dass sie Werbung schalten. Auch ok, klingt aber alles etwas desillusionierend, oder? Ist es auch, aber jetzt kommts: Trotz all den Massen an Musik, die täglich erscheinen, und trotz dem Kostendruck allerorts, gibt es noch Leute, die sich Zeit nehmen, Musik (selbst nicht so bekannte) eingehend zu hören, zu analysieren und zu kritisieren. Mega.

Marinus vom Tonspion z.B., irre, was dem alles auf dem Album (http://www.tonspion.de/musik/das-ding-ausm-sumpf/alben/raumzeit) aufgefallen ist. Oder auch dem Schall-Magazin, dem Piranha Mag oder der Süddeutschen Zeitung in ihren gedruckten Ausgaben. Völlig irre. Ich weiß es wirklich zu schätzen, dass ihr unserem kleinen Projekt euren wertvollen Raum und Zeit geschenkt habt. Danke! Und dabei ist zwar schön, dass solche Institutionen über einen schreiben, für mich als Künstler ist es aber viel interessanter, was sie sagen, ob positiv oder negativ, solange es gut begründet ist. Endlich Feedback. Sitzt man doch dauernd nur in seinem Studio oder seinem Kopf und bastelt und schraubt.

Jetzt sind also all diese ToDos eines Album-Releases abgehakt und wie fällt mein Fazit aus? Klar, das Musikgeschäft ist eine witzige Sache. Da wird eine Menge Lärm um nicht allzuviel gemacht und natürlich geht es immer um Leben und Tod. Schade ist sicher, dass der Kostendruck auch hier die Qualität an allen Ecken und Ende in die Mangel nimmt. Wenn man sich keine Zeit für Bands oder deren Musik nehmen kann, dann kann man dazu auch nichts Interessantes machen. Pressetext kopieren und einsetzen ist zwar auch gefüllter Raum, aber irgendwie sinnfrei… Aber und das ist die ermutigende Nachricht, auch hier gibt es Leute, die den Unterschied machen! Die nicht nur reinhören, sondern durchhören! Die sich Gedanken machen, die kritisch sind und damit unsere Musik nicht zum reinen Konsumgut verkommen lassen… Leute wie Matthias Matuschke Matuschik oder Nina “Fiva” Sonnenberg, die uns Raum in ihren großartigen Radiosendungen geben. Das ist einfach mega. Danke.

Und dann, und das ist ein ganz großes dann, gibt es da noch die Leute, die den Sound einfach nur hören wollen. Und die hauen mich sowieso um. Was die uns schreiben, macht mir sogar jetzt bei 35 Grad in meiner Dachgeschosswohnung Gänsehaut. Diese Begeisterung, diese Ehrlichkeit, diese Aufmerksamkeit. Hammer. Live zu spielen und statt Handy leuchtende Augen sehen, weil sie die Geschichten berühren: Hammer. Und uns dann auch noch auf Bandcamp unterstützen! Wenn es nicht so großartig wäre, würde ich fragen, ob ihr einen Vogel habt?! 😀 Da zahlen Leute 20€ für die CD von “raumzeit”! Das ist sowas von irre und geil!! Danke für diesen Support! Und im Vergleich dazu wird das ganze Musikgeschäft sehr klein. Klar wird man damit nicht reich, aber dafür war es auch nie gedacht.