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Making of “Im Restaurant”

Making of “Im Restaurant”

Endlich komme ich dazu, kurz vor dem neuen Jahr. War das letzte doch schon so spannend, was kommt da wohl nächstes Jahr? Bevor es aber losgeht mit 2016, hier noch ein Rückblick zu einem Wochenende 2015, das ich nie vergessen werde. Dem Videodreh zu “Im Restaurant”.

Das Konzept zum Video ist von Nora (Schüssler) und ich war sofort davon begeistert: Eine alte Frau, einsam in ihrer Wohnung, von den Geistern ihrer Vergangenheit gejagt. Wie will man dem Song sonst gerecht werden? Klar, man hätte auch einfach den Song nacherzählen können, aber ernsthaft, ist das interessant? In meinen Augen nicht. Viel spannender ist doch die Frage, was passiert mit jemanden, der so lebt: sich gegenüber sitzt und nicht ehrlich zu sich und seinem Partner ist, zu feige ist, die Konsequenzen zu ziehen. Das Video gibt eine von vielen möglichen Antworten. Im Gegensatz zu vielen, die das Video gesehen haben, in meinen Augen sogar eine sehr positive. Indem die alte Frau am Ende zerstört, was ihr das alles eingebrockt hat, schließt sie ab. Zieht endlich einmal einen Strich.

Die Richtung war also schnell klar, aber wo die richtigen Schauspieler finden? Und überhaupt verstehen wir ja auch nichts vom Filmen und Cutten, also brauchen wir auch hierfür jemanden! Und wie hier alles ineinander gegriffen hat, ist schon faszinierend! Als Produktionsteam konnten wir Uli und Gerold gewinnen! Großartige Kerle, die nicht nur Ahnung von ihrem Fach hatten, sondern auch extrem angenehm in der Zusammenarbeit waren! Als das Wort Ruhe erfunden wurde, haben sie, glaub ich, den Uli als Vorbild genommen, irre! Immer ruhig und immer eine Lösung! Und Gerold! Hammer, mit 67 Jahren kriecht er über den Boden, um die Kamera bestmöglich zu positionieren, als würde man das mit 67 halt so machen! Die blanke Lebensfreude. Sehr inspirierend wirklich. Beide.

Produktionsteam war also gefunden, jetzt brauchten wir noch zwei Schauspielerinnen. Eine junges Mädchen und eine alte Frau. Und auch hier: irre, wie sowas laufen kann! Für die Rolle des Geists aus der Vergangenheit (das junge Mädchen) konnten wir Aurelia Bosch gewinnen. So aufgeweckt, aufmerksam und lernwillig! Toll!

Für die Rolle der alten Frau konnten wir Doris Buchrucker gewinnen. Doris Buchrucker? Was für eine Frau!!! Ohne zu übertreiben, kann ich euch sagen, dass das Kennenlernen von Doris mit das Beste war, was uns dieses Jahr passiert ist. So erfahren, so energiegeladen, so kritisch, so scharf in ihrer Analyse, so herzlich, so unerbittlich zu sich und allen anderen. Wahnsinn. Und als Schauspielerin eine Legende, die auf allen wichtigen Bühnen unseres Landes gespielt hat und regelmäßig im TV zu sehen ist. Wie kamen wir zu ihr? Ein Tip von einem befreundeten Regisseur und eine Nummer. Ok, eine Nummer, aber dann muss so jemand ja auch erst einmal ja sagen. Also ich angerufen und schon beim ersten Gespräch hin und weg gewesen. Diese Stimme! Sie hört sich den Song an und – tatata findet den Song super. Was für eine Ehre.

Brauchten wir nur noch einen Ort. Und die einzige Wohnung einer alten Frau, die ich kannte, war die Wohnung meiner Oma. Hm… aber ob wir ihr das zumuten können? Sie ist immerhin weit in ihren 80ern. Fragen kostet ja nichts, also ich ruf an und nach langen Wortspiralen, komm ich endlich auf den Punkt: “Oma, können wir unser neues Video bei Dir drehen?”. Stille. Dann sie: “Ja, klar.” Wahnsinn!! Einfach so. Sie wollte nur wissen, wann, und alles weitere werde sie dann schon sehen. Boah, ist meine Oma cool.

Die Tatsache, dass wir bei meiner Oma gedreht haben, war dann auch alles in allem das schönste für mich persönlich. Die Zusammenarbeit mit allen war der Wahnsinn, magisch, weil wir alle immer auf einander aufgepasst haben, uns geholfen und ergänzt haben, und das auf eine Weise, die ich so selten erlebe. Immer strahlende Augen, immer mit 100% bei dem, was wir machen. Dass wir aber bei meiner Oma gedreht haben, irre. Dort bin ich quasi aufgewachsen. Bevor ich ins Internat kam, war ich die meiste Zeit bei diesen Großeltern. Meine Hausaufgaben hab ich in dem Esszimmer gemacht, in dem Doris im Video alleine isst. Abends durfte ich noch mit meinen Großeltern fernsehen. Genau in dem Wohnzimmer, in dem Doris die Puppen am Ende zerschneidet und Amadeus und ich am Ende im Hintergrund auftauchen. Den Gang bin ich als Kind hunderte Mal rauf und runter gelaufen. Sei es als Indianer oder Dinosaurier, als Fußballspieler oder nächster Stefan Edberg (mit einem Softball konnte man in diesem Ganghervorragend Tennis spielen). Und jetzt haben wir da ein Video gedreht. Für einen Song, der mir so viel bedeutet. Und immer waren meine Ma und Oma da und haben geholfen. Sei es, weil es etwas zu nähen gab oder die Puppen mit Sand gefüllt werden mussten. Auf einmal schließt sich der Kreis. Schon ziemlich cool.

So war das also. Magisch. Danke, dass ich da dabei sein durfte.

Im Restaurant

Im Restaurant

Endlich ist es soweit. Endlich kann ich euch das Paar zeigen, das “im Restaurant” in mir sitzt und sich nichts mehr zu sagen hat. Wahrscheinlich sogar schon begonnen hat sich zu hassen, aber trotzdem eben noch da sitzt. Wie lange diese beiden mittlerweile in meinem Kopf gesessen sind, kann ich euch gar nicht sagen. Aber je länger desto vertrauter wurden sie mir mit ihren süßen, hohen Stimmen, die durch die Stille stöckeln.

Endlich kann ich sie euch zeigen. Dank diesem unfassbaren Video, das trotz mangelndem Budget den Song auf so tolle Art weiter wachsen lässt. Keine Aneinanderreihung von Bildern, die den Song nacherzählen. Eine eigene Geschichte, zeitlich weit nach den Ereignissen “im Restaurant”.  Regie und Konzeption sind von Nora (Schüssler). Produktion von Uli Stöckle und die beiden großartigen Schauspielerinnen sind Doris Buchrucker und Aurelia Bosch. Gedreht haben wir das Video bei meiner Oma. Ein Erlebnis für das ich immer dankbar sein werde, aber davon erzähl ich euch bald. Dann gibt es auch ein paar Bilder hier. Aber alles zu seiner Zeit. Ich danke euch für dieses wundervolle Video. Jetzt gehts erst einmal ab nach Brügge.